Onlinerechte für Beschäftigte - Überwachung am Arbeitsplatz
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Kontrolle am Arbeitsplatz

Dienstliche und private Internet-Nutzung am Arbeitsplatz

Das Internet hat sich zu einem wichtigen Arbeitsmittel entwickelt. Man kann sich dadurch in kürzester Zeit wichtige Informationen verschaffen. Aber nicht nur die Nutzung von E-Mails und Internet am Arbeitsplatz nimmt stetig zu, sondern auch ihre Überwachung.

Allerdings ist fraglich, wie kann Ihr Arbeitgeber Ihre Internetnutzung und Arbeitsgewohnheiten online überwachen? Wie kann Datenschutz gewährt werden? Ist die Kontrolle Ihrer Arbeitsleistung durch Überwachung zulässig?

Von Mohammed Elharchi

Privates Surfen am Arbeitsplatz, und wo bleibt die Arbeitsleistung?

Viele Firmen verbieten zwar nicht das private Surfen am Arbeitsplatz nicht, aber trotzdem werden viele Beschäftigte überwacht oder fristlos gekündigt, weil durch das private Surfen Arbeitszeit verloren gehen würde. Eine Studie (2003) der Universität Maryland und des Marktforschungsunternehmens Rockbridge Associates belegt dagegen, dass Privates Internet-Surfen im Büro die Arbeitsleistung nicht mindert. Mitarbeiter, die am Arbeitsplatz das Internet privat nutzen, seien dafür zu Hause oft für ihren Arbeitgeber online. Zwar verbringen die Arbeitnehmer mit privatem Surfen am Arbeitsplatz im Durchschnitt wöchentlich 3,7 Stunden, aber verbringen sie zu Hause durchschnittlich 5,9 Stunden pro Woche für ihren Arbeitgeber . Diese Studie legt nahe, dass der Internetzugang nicht die berufliche Leistung mindert, sondern dass ein Teil des Arbeitsaufwands vom Büro nach Hause verlegt wird.

Private E-Mail und Internet Nutzung

Inwieweit die Internet-Nutzung am Arbeitsplatz überwacht werden darf, hängt davon ab, was in der Firma erlaubt ist. Gestattet der Arbeitgeber nur eine dienstliche Nutzung des Internets, werden die E-Mails wie geschäftliche Briefpost behandelt. Der Chef hat das Recht, stichpro-benartig zu prüfen, ob Surfen und e-Mail tatsächlich dienstlicher Natur sind - oder ob der Untergebene gegen den Arbeitsvertrag verstößt. Allerdings eine ständige Vollkontrolle ist nicht erlaubt.

Wird die private Nutzung des Netzes durch die Firma ausdrücklich genehmigt, so fallen die Informationen unter das Fernmeldegeheimnis. Rechtlich gesehen gilt das Unternehmen in diesem Fall laut Informations- und Kommunikationsdienstgesetz als Telekommunikations-Anbieter, dessen Kunde der Arbeitnehmer ist. Der Mitarbeiter hat dann die selben Rechte wie ein Kunde gegenüber einem Unternehmen. Unter das Fernmeldegeheimnis fällt nicht nur der Inhalt von E-Mails, sondern auch die Information über Absender und Empfänger, Versende- und Empfangsdatum sowie die Länge der E-Mail. Auch das Surfen findet dann vertraulich statt. Protokolliert werden darf nur zur Datensicherung oder zu Abrechnungszwecken.

In den USA gestattet es die Rechtsprechung den Unternehmen, Überwachungssoftware aller Art zu installieren, solange die Installation nicht diskriminiert: Wer nur einen Teil seiner Mitarbeiter überwacht, etwa nur die Frauen, die Ausländern, oder nur die mit einer Verwarnung in der Personalakte, der macht sich strafbar. Werden dagegen alle Mitarbeiter bis zum Top-Management überwacht, ist alles in Ordnung.

In Deutschland ist sie juristisch umstritten. Zwar ist hier das systematische Ausspionieren der eigenen Beschäftigten unzulässig, aber nach Angaben der Computerzeitschrift Chip kontrol-liert nahezu jeder zehnte Chef den E-Mail-Verkehr seiner Angestellten. Der Einsatz von Überwachungssoftware verletzt das Persönlichkeitsrecht der Beschäftigten. Software dieser Art kann nur punktuell eingesetzt werden und nur dann, wenn der begründete Verdacht auf eine Straftat besteht. Allerdings dürfen Arbeitgeber das nicht heimlich tun, aber mit Wissen der Mitarbeiter darf unter Umständen kontrolliert werden.

Wie Chefs ihre Mitarbeiter am Arbeitsplatz ausspionieren?

Es gibt eine Menge Möglichkeiten, wie Chefs das Verhalten ihrer Mitarbeitern überwachen können. Besonders praktisch sind spezielle Spionage-Programme, die alles aufzeichnen , was an einem PC passiert. Sie protokollieren lückenlose jeden einzelnen Tastendruck, lesen alle Mails und verfolgen jeden Chat. Sie fertigen regelmäßig Aufnahmen des Bildschirms an und schicken diese Screen-Shots zusammen mit den anderen gesammelten Daten per E-Mail an den Überwachungsrechner bzw. Administrator des Unternehmens.

Der Administrator des Unternehmens kann heimlich ebenso die Computer der Angestellten einsehen und private Mails, Adressen oder den Terminkalender lesen. Es ist ihm möglich, sämtliche Dateien, die auf der Festplatte oder im Netzwerk abgelegt sind, zu öffnen, zu ändern oder zu löschen. Es gibt auch fast nichts, was nicht in den Computer-Netzwerken protokolliert werden kann und dadurch kontrollierbar wird. Werden solche Protokoll-Dateien gezielt ausgewertet, können Nutzungsprofile der Mitarbeiter erstellt werden. Aber der Administrator darf seine "Allmacht" nur zur Aufrechterhaltung des Compu-terbetriebs verwenden und nicht ohne Weiteres an den Chef weitergeben.

Zwar gibt es für einige Programme eine spezielle Anti-Spionage-Software, die im Handel und teilweise gratis im Internet erhältlich ist. Aber die Installation wird vom Administrator ohnehin entdeckt und wäre ein unerlaubter Eingriff in fremdes Eigentum. Daher fordern zurzeit die Gewerkschaften und Datenschutzbeauftragten ein Arbeitnehmer datenschutzgesetzt Programme, Um Interessenskonflikte von vorneherein auszuschließen.


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